Die ehrliche Antwort zuerst, weil sie fast jeder falsch erwartet: Es gibt in Hamburg nicht das eine gefaehrliche Viertel und die eine sichere Insel. Wer einbricht, sucht nicht nach einem schlechten Ruf, sondern nach einer schlecht gesicherten Tuer, einem dunklen Hinterhof und einem schnellen Weg zurueck zur Ausfallstrasse. Genau danach richtet sich das Risiko, Bezirk fuer Bezirk. Und das laesst sich beeinflussen, mehr als die meisten glauben.
Ich bin Sophie, ich berate seit Jahren zu Einbruchschutz und stehe dabei oefter in Hamburger Treppenhaeusern als in meinem eigenen Buero. Was ich Ihnen hier gebe, ist keine Statistik-Show mit erfundenen Prozentzahlen, sondern das, was ich an echten Tueren sehe. Die belastbaren Zahlen zum Wohnungseinbruch fuehrt die Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA, und die Polizei Hamburg veroeffentlicht dazu jaehrlich eigene Auswertungen. Schauen Sie da rein, wenn Sie Zahlen wollen. Ich rede ueber Tueren.
Kurz und klar: Was das Risiko wirklich treibt
Drei Dinge entscheiden, ob bei Ihnen eingebrochen wird, und keines davon ist die Postleitzahl allein.
Erstens die Bauart. Ein Altbau aus der Gruenderzeit mit einer alten Kastentuer und einem Buntbartschloss ist eine andere Welt als eine Neubauwohnung in der HafenCity mit Mehrfachverriegelung. Zweitens die Erreichbarkeit. Erdgeschoss, gut erreichbares Hochparterre, ein Flachdachanbau, ueber den man ans Fenster im ersten Stock kommt, eine Kellertuer im dunklen Hinterhof. Drittens der Fluchtweg. Naehe zu einer grossen Ausfallstrasse, zur Autobahn, zu einer S-Bahn, mit der man in Minuten weg ist. Wo diese drei zusammenkommen, steigt das Risiko, ganz egal wie schick die Strasse aussieht.
Deshalb sind die klassischen Altbauviertel im Ring stark betroffen, aber genauso die ruhigen Reihenhauslagen am Stadtrand, wo abends niemand hinschaut. Gehen wir die Muster durch.
Die Altbauguertel: Eimsbuettel, Ottensen, Eppendorf, Winterhude
Das sind die Viertel, in denen ich am haeufigsten stehe. Schoene Altbauten, Stuck, hohe Decken, und leider oft Haustueren, die noch aus einer Zeit stammen, in der niemand an Aufhebeln dachte. In Eimsbuettel und Ottensen sehe ich reihenweise Wohnungstueren, die sich mit einem einfachen Schraubendreher in Sekunden aufhebeln lassen, weil das Tuerblatt weich ist und kein Pilzkopfbeschlag greift. Das ist die haeufigste Methode ueberhaupt, kein Nachschluessel, kein Dietrich, einfach roher Hebel am Schloss.
In Eppendorf und Winterhude kommt die gehobene Ausstattung dazu, die den Reiz erhoeht. Was hier hilft, ist selten die grosse Umbaumassnahme. Ein Zylinder mit Aufbohrschutz, ein Schutzbeschlag, der den Zylinder abdeckt, und bei der Wohnungstuer eine Querriegel- oder Zusatzverriegelung. Das ist bezahlbar und macht aus einer Zehn-Sekunden-Tuer eine, an der sich niemand die Zeit nimmt. Wenn Sie wissen wollen, was in einem Gruenderzeit-Altbau technisch ueberhaupt geht, habe ich das getrennt zum Thema Einbruchschutz aufgeschrieben.
Der Klassiker am Fenster
Beim Altbau vergessen viele die Fenster im Hochparterre. Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster, das gilt fuer Einbrecher als Einladung. Abschliessbare Fenstergriffe und Pilzkopfzapfen im Rahmen sind hier oft wichtiger als ein noch besseres Tuerschloss. Ich sage das ungern so deutlich, aber ein gekipptes Badfenster im Erdgeschoss macht die beste Tuer der Welt sinnlos.
HafenCity, Neustadt und die Neubauten: modern heisst nicht sicher
Ein verbreiteter Irrtum. In der HafenCity und in Teilen der Neustadt stehen neue Gebaeude mit Mehrfachverriegelung, und viele Bewohner denken, damit sei die Sache erledigt. Ist sie nicht. Die Wohnungstuer ist oft gut, aber die Schwachstelle sitzt woanders: bodentiefe Fenster, Terrassentueren zur Promenade, Tiefgaragen, ueber die man ins Haus kommt, ohne dass ein Nachbar es merkt.
Mein Standpunkt dazu ist klar. Eine teure Wohnungstuer nuetzt wenig, wenn die Terrassentuer ein Standard-Griffbeschlag ohne Aufhebelschutz ist. Bei Neubauten lohnt der nuechterne Blick auf die zweite und dritte Zugangsmoeglichkeit, nicht auf die schon gute Haupttuer. Und die Tiefgarage: Wer da unkontrolliert reinkommt, steht vor Kellerabteilen und dem Innenaufzug. Reden Sie mit der Hausverwaltung ueber die Zugangsberechtigung, das ist oft wirksamer als jedes Einzelschloss.
St. Pauli, St. Georg, Altona-Altstadt: das gemischte Bild
Hier wird es interessant, weil viele Viertelbewohner ein falsches Bauchgefuehl haben. St. Pauli und St. Georg gelten als unruhig, aber der Wohnungseinbruch am Tag folgt anderen Regeln als das naechtliche Treiben auf der Reeperbahn. Tagsueber, wenn alle arbeiten, ist eine ruhige Seitenstrasse in Altona-Altstadt fuer einen Einbrecher attraktiver als eine belebte Ecke, wo staendig jemand vorbeikommt.
Die Mischung aus Gewerbe und Wohnen sorgt in diesen Vierteln dafuer, dass viel Publikumsverkehr herrscht, und Anonymitaet ist der beste Freund des Einbrechers. Niemand weiss, wer zu wem gehoert. Ein Handwerker mit Werkzeugtasche faellt nicht auf. Was hier hilft, ist neben der Tuertechnik vor allem die soziale Aufmerksamkeit im Haus. Kennen Sie Ihre Nachbarn. Eine Hausgemeinschaft, die hinschaut, ist eine Sicherung, die kein Katalog verkauft.
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Die Stadtrandlagen: Blankenese, Bergedorf, ruhige Reihenhaeuser
Jetzt zu dem Teil, den die meisten unterschaetzen. Die freistehenden Haeuser und Reihenhaeuser am Rand, Blankenese, Bergedorf und aehnliche Lagen, sind fuer Einbrecher aus einem einfachen Grund attraktiv: Sie bieten Deckung. Hohe Hecken, dunkle Gartenseiten, kein Nachbar in Sichtweite, viele Zugaenge. Terrassentuer, Kellerfenster, Nebeneingang. Und abends, wenn niemand zu Hause ist, schaut oft niemand hin.
Ein freistehendes Haus hat schlicht mehr Tueren und Fenster als eine Etagenwohnung, und jede davon ist eine Moeglichkeit. Wer hier investiert, faengt bei der am schlechtesten einsehbaren Seite an, nicht bei der repraesentativen Haustuer vorne. Die sieht ohnehin jeder. Der Einbrecher geht nach hinten.
Was wirklich hilft, in der Reihenfolge, in der ich es empfehle
Genug ueber Bezirke, jetzt zur Praxis. Wenn Sie ein begrenztes Budget haben, geben Sie es in dieser Reihenfolge aus.
- Zuerst die vorhandene Tuer ertuechtigen. Aufbohrgeschuetzter Zylinder, Schutzbeschlag, und wenn moeglich eine Mehrfach- oder Zusatzverriegelung. Das ist der beste Euro pro Sicherheit.
- Dann die erreichbaren Fenster und Terrassentueren. Pilzkopfzapfen, abschliessbare Griffe, im Zweifel nachruestbare Bandseitensicherungen.
- Beleuchtung mit Bewegungsmelder an den dunklen Seiten. Licht ist billig und wirkt.
- Erst danach ueber Alarm und Kameras nachdenken. Technik ist gut, aber sie ersetzt keine mechanische Grundsicherung. Ein Alarm, der losgeht, wenn der Einbrecher schon drin ist, kommt spaet.
Die Reihenfolge ist wichtig. Ich sehe staendig Leute, die eine teure Alarmanlage haben und daneben eine Tuer, die man in zehn Sekunden aufhebelt. Das ist, als haeßten Sie einen Rauchmelder an eine Tuer aus Papier.
Preise, damit Sie eine Vorstellung haben
Richtwerte fuer Hamburg, kein Festpreis, weil jede Tuer anders ist. Aber ehrliche Spannen, an denen Sie sich orientieren koennen.
| Massnahme | Realistische Spanne |
|---|---|
| Aufbohrgeschuetzter Zylinder plus Schutzbeschlag | 120 bis 250 Euro |
| Zusatzschloss oder Querriegel Wohnungstuer | 200 bis 500 Euro |
| Fenster nachruesten, pro Fenster | 80 bis 200 Euro |
| Terrassentuer sichern | 150 bis 400 Euro |
| Bewegungsmelder mit Leuchte | 40 bis 120 Euro |
Wenn ein Anbieter Ihnen am Telefon einen Komplettpreis nennt, ohne die Tuer gesehen zu haben, werden Sie vorsichtig. Serioese Beratung schaut erst, misst, und nennt dann eine Zahl. Wie ein sauberer Schlossaustausch ablaeuft und was der Schliesszylinder an Sicherheit ausmacht, koennen Sie im jeweiligen Beitrag nachlesen.
Letzte Woche in Eimsbuettel
Eine Szene, die typisch ist. Vergangene Woche war ich bei einer Familie in Eimsbuettel, Erdgeschoss, schoener Altbau. Es war nichts passiert, sie wollten nur vorsorgen, weil im Haus nebenan eingebrochen worden war. Die Wohnungstuer war massiv, gute Substanz, aber der Zylinder stand zwei Millimeter vor und hatte keinen Schutzbeschlag. Genau da setzt der Hebel an. Wir haben den Zylinder gegen einen buendigen mit Aufbohrschutz getauscht und einen Schutzbeschlag montiert, keine grosse Sache, ein Nachmittag. Die Nachbarwohnung, in die eingebrochen wurde, hatte uebrigens den teuersten Videotuerspion der Strasse. Nur eben eine Tuer, die man aufhebeln konnte. Sie verstehen, worauf ich hinaus will.
Haeufige Fragen
Gibt es in Hamburg wirklich sichere und unsichere Viertel? Nicht so einfach, wie es klingt. Jedes Viertel hat sichere und unsichere Haeuser. Die Bauart und die Sicherung Ihrer Wohnung entscheiden mehr als die Postleitzahl. Verlassen Sie sich nicht auf den Ruf der Strasse.
Zahlt die Hausratversicherung nach einem Einbruch? In der Regel ja, wenn ein Einbruch nachweisbar ist, also Spuren von Gewalt vorliegen. Bei einfachem Diebstahl ohne Einbruchspuren wird es schwierig. Lesen Sie Ihre Police, und im Zweifel fragen Sie bei der Verbraucherzentrale nach, was gedeckt ist.
Lohnt sich Einbruchschutz auch zur Miete? Ja. Viele Massnahmen sind ohne baulichen Eingriff nachruestbar und beim Auszug wieder mitnehmbar oder rueckbaubar. Sprechen Sie groessere Eingriffe mit dem Vermieter ab, kleine Zusatzsicherungen sind oft unkritisch.
Was bringt eine Beratung durch die Polizei? Einiges. Die Polizei Hamburg bietet kostenlose, herstellerneutrale Beratung zum Einbruchschutz an. Nutzen Sie das, es kostet nichts und ist unabhaengig. Danach wissen Sie, wo Ihre Schwachstellen sind.
Mein Fazit
Hoeren Sie auf, nach dem gefaehrlichen Viertel zu suchen, und schauen Sie auf Ihre eigene Tuer. Das Risiko in Hamburg verteilt sich nach Bauart, Erreichbarkeit und Fluchtweg, nicht nach dem Image einer Strasse. Der Altbau in Ottensen, die Terrassentuer in der HafenCity, das Reihenhaus in Bergedorf, jedes hat seine eigene Schwachstelle, und jede ist bezahlbar zu schliessen. Fangen Sie bei der Tuer an, dann die erreichbaren Fenster, dann Licht, dann erst Technik. Wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen, kommen wir als Schluesseldienst in Hamburg vorbei und schauen es uns an, ehrlich und ohne Verkaufsdruck. Fuer eine Uebersicht aller Leistungen oder eine schnelle Frage im Notdienst sind wir da, und viele weitere Antworten finden Sie in unseren haeufigen Fragen.


