Sicherheit und Einbruchschutz

Einbrüche in Deutschland: Statistik und Trends nach Region

Was die PKS über Wohnungseinbrüche wirklich sagt, wo die regionalen Unterschiede liegen und warum gute Mechanik mehr bringt als teure Technik.

Einbrüche in Deutschland: Statistik und Trends nach Region

Ich baue smarte Schlösser ein, und trotzdem werde ich fast jede Woche gefragt: Nehmen Einbrüche in Deutschland eigentlich zu? Die ehrliche Antwort ist unbequem. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des BKA bewegt sich der Wohnungseinbruchdiebstahl seit Jahren in Wellen, mit einem deutlichen Tief während der Pandemie und einem klaren Wiederanstieg danach. Genaue bundesweite Gesamtzahlen nenne ich Ihnen bewusst nicht. Die schwanken jährlich, und wer mit einer exakten Zahl um sich wirft, will Ihnen meistens etwas verkaufen. Wichtiger sind die Muster. Denn die ändern sich kaum.

Und genau diese Muster sind das, was Sie wirklich schützen kann. Nicht die Schlagzeile, nicht die Angst.

Die kurze Antwort vorweg

Einbrüche steigen wieder, aber langsam und nicht überall gleich. Der entscheidende Befund der PKS ist ein anderer: Ein sehr großer Teil aller Versuche scheitert. Die Täter geben auf, wenn die Tür oder das Fenster in den ersten Minuten nicht nachgibt. Das ist keine Theorie. Das sehe ich bei jedem zweiten Auftrag, bei dem ich nach einem Versuch gerufen werde.

Wer das verstanden hat, spart sich viel Geld für die falschen Dinge.

Drei Dinge sind über die Jahre stabil, und das ist laut BKA kein Zufall:

  • Ein großer Teil der Einbrüche bleibt im Versuch stecken. Oft scheitert der Täter an guter Mechanik und gibt nach wenigen Minuten auf. Das ist die wichtigste Zahl überhaupt, auch wenn sie in den Nachrichten selten genannt wird.
  • Die Aufklärungsquote ist niedrig. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Tat aufgeklärt wird oder dass Ihr Schmuck wiederkommt. Vorbeugen schlägt aufklären, jedes Mal.
  • Die dunkle Jahreszeit ist Hauptsaison. Von Oktober bis Februar, bei früher Dämmerung, steigt die Zahl spürbar. Eine dunkle, unbeleuchtete Wohnung um 17 Uhr signalisiert dem Täter: Hier ist niemand zu Hause.

Diese drei Punkte klingen banal. Sind sie aber nicht. Sie sagen Ihnen genau, wo Ihr Geld hingehört und wo nicht.

Warum die Versuchsquote alles entscheidet

Stellen Sie sich den typischen Täter nicht als Hollywood-Profi vor. Die meisten sind Gelegenheitstäter, oft auf der Suche nach dem schnellen Bargeld. Sie haben einen einfachen Schraubendreher dabei, kein Spezialwerkzeug. Sie hebeln am Fenster oder an der Terrassentür, weil das leise geht. Wenn das nach zwei oder drei Minuten nicht klappt, ziehen sie weiter. Zum Nachbarn. Zur nächsten Tür.

Genau hier entscheidet sich alles. Nicht an der Kamera. An der Mechanik.

Regionale Unterschiede, ehrlich eingeordnet

Die PKS weist die Belastung pro 100.000 Einwohner aus. Und da liegen die Stadtstaaten und dicht besiedelte Ballungsräume meist über dem Schnitt, ländliche Regionen darunter. So weit, so erwartbar. Aber Vorsicht: Verallgemeinern lässt sich das nicht bis auf die einzelne Straße. Innerhalb einer Stadt schwankt das Risiko enorm.

Für Frankfurt heißt das konkret:

  • Erdgeschoss und Souterrain sind klar stärker betroffen. Wer ebenerdig wohnt, hat ein anderes Risiko als jemand im fünften Stock ohne Balkonzugang.
  • Gut erreichbare Terrassen- und Balkontüren sind das Lieblingsziel. Sie sind oft schlechter gesichert als die Haustür und liegen im Schatten.
  • Häuser nahe Fluchtwegen wie Bahntrassen, Grünstreifen oder Autobahnauffahrten sind beliebter, weil der Täter schnell verschwinden kann.

In Niederrad, im Gallus oder am Rand von Bockenheim sehe ich das in der Praxis dauernd. Reihenhaus mit Garten und schlecht gesicherter Terrassentür: hohes Risiko. Wohnung im vierten Stock mit nur einer Haustür: statistisch eine ganz andere Welt. Im Nordend mit seinen vielen gepflegten Altbauwohnungen sind es oft die Souterrain- und Hochparterrefenster, die kippen.

Ein Hinweis, den ich oft gebe: Schauen Sie nicht nur auf Ihren Stadtteil. Schauen Sie auf Ihre konkrete Wohnung, Ihre Lage im Haus und Ihre schwächste Tür.

Schon ausgesperrt – und es eilt?

Preis vorab vom Profi, geprüfter Partner-Betrieb, Ø 22 Minuten vor Ort.

Warum mich gerade die Statistik zu einer klaren Meinung bringt

Gerade weil ich Technik einbaue, sage ich das hier so deutlich: Eine Kamera filmt den Einbruch. Sie verhindert ihn nicht. Ich habe Kundinnen, die für 800 Euro ein Kamerasystem installiert haben und deren Terrassentür sich immer noch mit einem 5-Euro-Schraubendreher aufhebeln lässt. Das ist die falsche Reihenfolge.

Was Täter in den ersten Minuten abschreckt, ist mechanischer Widerstand. Konkret:

  • Ein guter Schließzylinder mit Ziehschutz und Bohrschutz, am besten nach DIN EN 1303, von ABUS, BKS oder Winkhaus. Kein No-Name-Zylinder für 8 Euro vom Baumarkt.
  • Ein Schutzbeschlag nach DIN 18257, mindestens ES1, besser ES2, der das Aufbohren und Abdrehen des Zylinders verhindert.
  • Pilzkopfzapfen an Fenstern und Terrassentüren, dazu abschließbare Fenstergriffe.
  • Bei Neuanschaffung oder Sanierung: einbruchhemmende Bauteile nach DIN EN 1627, Widerstandsklasse RC2 reicht für die allermeisten Privatwohnungen völlig aus.

Das deckt sich exakt mit dem PKS-Befund, dass so viele Taten im Versuch stecken bleiben. Wer nach zwei, drei Minuten nicht drin ist, lässt es meist sein. Smarte Technik ergänzt das sinnvoll, wenn die Mechanik stimmt. Sie ersetzt sie nie. Mehr zur Logik der Sicherheitsstufen lesen Sie in unserem Beitrag zu den sieben Sicherheitsstufen.

Was kostet sinnvoller Schutz wirklich?

Hier eine grobe Orientierung aus der Praxis, damit Sie nicht jeder Hausnummer am Telefon glauben müssen:

MaßnahmeRealistischer Preis
Sicherheitszylinder mit Ziehschutz (Teil)60 bis 150 EUR
Schutzbeschlag ES1/ES2 (Teil)40 bis 120 EUR
Pilzkopfzapfen pro Fenster nachrüsten80 bis 150 EUR
Abschließbare Fenstergriffe pro Stück20 bis 40 EUR
Querriegelschloss für die Haustür250 bis 450 EUR

Plus Arbeitszeit, je nach Aufwand. Wer Ihnen für eine simple Nachrüstung 1.500 Euro nennt, ohne die Tür gesehen zu haben, gehört aussortiert. Wie Sie unseriöse Anbieter erkennen, steht im Ratgeber Serrurier-Abzocke erkennen.

Ein Abend in Sachsenhausen

Letzten Herbst war ich bei einer Kundin in Sachsenhausen, die nach einem Einbruchversuch im Nachbarhaus aufrüsten wollte. Die Täter hatten dort die Terrassentür aufgehebelt, in unter einer Minute, mit einem Schraubendreher. Bei meiner Kundin war exakt dieselbe Tür ungesichert. Wir haben für gut 300 Euro Pilzkopfzapfen, abschließbare Griffe und einen Sicherheitszylinder nachgerüstet. Kein smartes Gerät, reine Mechanik. Genau das ist meine Empfehlung, bevor jemand viel Geld in Kameras steckt. Sie hat später eine Kamera dazugenommen, aber als Ergänzung, nicht als Ersatz.

Zwei Wochen davor, im Gallus, das Gegenteil. Ein junger Mieter rief mich an, weil seine schicke App-Klingel angeblich alles sichere. Die Wohnungstür war ein Billigschloss ohne Schutzbeschlag, der Zylinder stand zwei Zentimeter vor und ließ sich von Hand greifen. Ich habe ihm den Zylinder getauscht und einen ES2-Beschlag montiert, zusammen unter 200 Euro Material. Die App durfte bleiben. Aber jetzt sichert sie eine Tür, die auch wirklich hält.

Häufige Fragen, kurz beantwortet

Bringt eine Alarmanlage etwas? Ja, als Ergänzung. Sie schreckt ab und alarmiert, aber nur wenn die Tür standhält, gewinnen Sie die entscheidenden Minuten. Erst Mechanik, dann Alarm.

Lohnt sich Aufrüsten in einer Mietwohnung? Oft ja, und vieles geht ohne bauliche Eingriffe. Abschließbare Griffe und ein besserer Zylinder sind reversibel. Bei größeren Maßnahmen vorher mit dem Vermieter sprechen.

Reicht RC2 oder brauche ich RC3? Für eine normale Privatwohnung reicht RC2 fast immer. RC3 ist für besonders exponierte Lagen oder hochwertige Inhalte, und es kostet deutlich mehr. Lassen Sie sich kein RC3 aufschwatzen, wenn RC2 genügt.

Schützt mehr Licht wirklich? Ja. Bewegungsmelder und beleuchtete Eingänge sind billig und wirksam, weil sie genau die dunkle Anonymität nehmen, die Gelegenheitstäter suchen.

Was Sie heute tun können

Statistik ist gut zum Verstehen. Aber sie sichert keine Tür. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihre Wohnung wirklich steht, lohnt eine nüchterne Beratung zum Einbruchschutz, ohne Verkaufsdruck. Praktische Tipps, wie Sie eine Tür gegen Aufhebeln und Crochetage sichern, finden Sie in unserem Ratgeber zum Schutz vor Crochetage. Und wenn doch einmal etwas passiert ist und Sie schnell jemanden brauchen, erreichen Sie uns über den Notdienst.

Schauen Sie sich heute Abend Ihre schwächste Tür an. Drücken Sie gegen das Fenster im Erdgeschoss. Steht der Zylinder vor? Lässt sich der Griff ohne Schlüssel drehen? Das sind die Fragen, die zählen. Die Statistik bestätigt nur, was die Tür vor Ihnen ohnehin schon verrät.

Zuletzt aktualisiert am 26. Februar 2026
Clara Schmitt

Clara Schmitt

Technikerin für smarte Schließsysteme bei Schlüsseldienst Notdienst

Clara installiert smarte Schlösser und Schlüsselboxen, auch für Ferienwohnungen. Sie sagt ehrlich, wann sich die Technik lohnt und wann nicht.

6+ Jahre Erfahrung Technikerin für smarte Schließsysteme

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