Vorweg, klar und kurz. Ein Zuschlag fuer nachts, Wochenende oder Feiertag ist erlaubt und voellig normal. Aber er muss vorher genannt werden, und er muss in einem vernuenftigen Verhaeltnis zur Leistung stehen. Ein Zuschlag, der erst auf der Rechnung auftaucht, ist im Zweifel nicht wirksam vereinbart. Und nein, aus einer einfachen Tueroeffnung werden auch um drei Uhr nachts keine 600 Euro.
Ich montiere und warte seit elf Jahren Schliessanlagen, und ich fahre selbst Spaetschichten. Ich weiss also von beiden Seiten, was so eine Nachtfahrt kostet und was sie wert ist. Genau darum aergert es mich, wenn jemand den Zuschlag als Hebel benutzt, um die Notlage abzukassieren. Reden wir Klartext.
Wie hoch darf der Zuschlag wirklich sein
Realistisch sind je nach Uhrzeit 30 bis 100 Prozent auf den Tagespreis. Mehr nicht. Aus einer Tagestuer fuer 100 Euro werden nachts also 150 bis 200 Euro, am Feiertag vielleicht 220. Wer Ihnen das Dreifache oder Vierfache nennt, rechnet nicht den Aufwand ab, sondern Ihre Panik.
Wichtig ist die Staffelung. Ein sauberer Betrieb unterscheidet mindestens vier Stufen, und genau daran erkennen Sie ihn:
- Werktag tagsueber, also etwa 7 bis 18 Uhr: Grundpreis, kein Zuschlag.
- Werktag abends, 18 bis 22 Uhr: kleiner Aufschlag, oft 20 bis 30 Prozent.
- Tiefe Nacht, 22 bis 6 Uhr: 50 bis 100 Prozent.
- Sonn- und Feiertag: eigener Satz, meist im oberen Bereich.
Ein Sonntagvormittag um zehn ist kein tiefes Wochenende um drei Uhr nachts. Das gehoert im Preis getrennt. Wer pauschal jeden Anruf nach 18 Uhr zum doppelten oder dreifachen Preis abrechnet, arbeitet nicht ordentlich, Punkt.
Noch ein Wort zur Anfahrt. Die ist eine eigene Position und sollte es auch bleiben. In Frankfurt ist eine Anfahrt innerhalb des Stadtgebiets keine Weltreise, ich bin von der Werkstatt aus in zwanzig Minuten in fast jedem Stadtteil. 30 bis 50 Euro Anfahrt sind in Ordnung. Wer 120 Euro nur fuers Kommen will, hat schon den ersten Aufschlag versteckt, bevor er ueberhaupt am Schloss steht. Fragen Sie also nach drei Zahlen: Anfahrt, Arbeit, Zuschlag. Wenn die Antwort eine einzige Pauschale ist, die niemand aufschluesseln will, stimmt etwas nicht.
Wofuer Sie den Zuschlag eigentlich bezahlen
Damit das nicht abstrakt bleibt. Um drei Uhr nachts ist der Techniker wach, das Auto unterwegs, der Sprit laeuft, und am naechsten Tag fehlt die Kraft fuer den normalen Job. Dieser Aufwand wird bezahlt, das ist fair und das verteidige ich auch. Was nicht fair ist: dass die reine Arbeitszeit am Schloss nachts ploetzlich teurer sein soll. Ein Zylinder lasst sich um drei Uhr genauso schnell tauschen wie um drei Uhr nachmittags. Der Zuschlag bezahlt die Uhrzeit, nicht eine andere Leistung.
Was das Gesetz dazu sagt
Ein Vertrag entsteht am Telefon, sobald Sie den Preis oder die Preisspanne hoeren und zustimmen. Genau deshalb muss der Zuschlag vorher genannt werden. Wird er nicht genannt, gilt nach Paragraf 632 BGB die uebliche Verguetung, also der ortsuebliche faire Satz, nicht die Fantasiezahl auf der Rechnung.
Das ist der Hebel, den die wenigsten kennen. Wenn am Telefon nie ein Preis fiel und Sie vor Ort eine 480-Euro-Rechnung in die Hand gedrueckt bekommen, haben Sie keinen Preis vereinbart. Sie schulden dann die uebliche Verguetung. Und ueblich sind die Saetze, die ich oben genannt habe, nicht das Vierfache.
Dazu kommt der Verbraucherschutz. Ein Vertrag, der am Telefon oder an der Haustuer geschlossen wird, ist ein Fernabsatz- oder Haustuergeschaeft. Da haben Sie grundsaetzlich ein vierzehntaegiges Widerrufsrecht. Bei einer sofortigen Notoeffnung muss auf dieses Recht ausdruecklich und schriftlich verzichtet werden, sonst koennen Sie spaeter widerrufen. Viele unserioese Firmen vergessen diesen Hinweis bewusst, weil er sie diszipliniert. Wer sich unsicher ist, findet bei der Verbraucherzentrale verlaessliche Hinweise und Musterschreiben.
Sittenwidrigkeit, das schwere Geschuetz
Es gibt noch eine Grenze nach oben. Wenn der Preis in einem auffaelligen Missverhaeltnis zur Leistung steht, kann er sittenwidrig und damit nichtig sein. Gerichte haben mehrfach entschieden, dass eine Wuchergebuehr fuer eine simple Tueroeffnung den Vertrag in diesem Punkt kippen kann. 600 Euro fuer eine zugefallene Tuer, die in zwei Minuten mit der Klappkarte auf ist, ist so ein Fall. Sie muessen das nicht hinnehmen.
Zwei Faelle aus der Praxis
Letztes Jahr, Karfreitag, rief mich ein Paar aus dem Ostend an. Tuer abgeschlossen, Schluessel innen vergessen. Ich nannte am Telefon den Feiertagszuschlag inklusive: 220 bis 280 Euro, je nachdem ob die Tuer sauber aufgeht oder der Zylinder raus muss. Es wurden 240 Euro. Kein Drama, weil alles vorher auf dem Tisch lag. Genau so muss es laufen, Feiertag hin oder her.
Und der Gegenfall, letzte Woche in Bockenheim. Eine Studentin, Sonntagnacht, hatte vor mir schon jemanden bestellt, der ueber eine 0800-Nummer kam. Kein Preis am Telefon, kein Firmenname auf dem Auto. Der Mann bohrte den Zylinder einer nur zugefallenen Tuer auf, also einer Tuer, die man mit der Karte in dreissig Sekunden aufbekommt, und legte 540 Euro in bar auf den Tisch. Sie hatte das Geld nicht und rief uns. Mein Rat war einfach: nichts in bar zahlen, Rechnung verlangen, schriftlich widersprechen. Sie hat am Ende rund 180 Euro gezahlt, mehr war nicht vereinbart und mehr war auch nicht angemessen.
Der Unterschied zwischen den beiden Faellen ist nicht die Uhrzeit. Es ist die Frage, ob vorher geredet wurde.
Schon ausgesperrt – und es eilt?
Preis vorab vom Profi, geprüfter Partner-Betrieb, Ø 22 Minuten vor Ort.
Woran Sie einen fairen Zuschlag erkennen
Drei Punkte, die immer gelten:
- Der Zuschlag wird am Telefon genannt, nicht erst vor Ort an der offenen Tuer.
- Er ist gestaffelt und nachvollziehbar, nicht pauschal das Doppelte fuer alles.
- Sie bekommen eine Rechnung mit Firmenname, Adresse und dem Zuschlag als eigener Position.
Fehlt einer davon, werden Sie misstrauisch. Ein serioeser Betrieb sagt Ihnen am Telefon: Tagespreis so viel, nachts kommt der und der Zuschlag dazu, Endpreis ungefaehr so. Wer schwurbelt und sagt, das sehe man dann vor Ort, will sich die Tuer offenhalten, im wahrsten Sinn.
Bohren ist fast nie noetig
Ein technischer Punkt, der direkt mit dem Zuschlag zusammenhaengt. Eine nur zugefallene, also nicht abgeschlossene Tuer wird nicht gebohrt. Punkt. Die geht mit Karte, Keil oder der richtigen Technik in Minuten auf, ohne Schaden. Wer bei einer zugefallenen Tuer bohrt, erzeugt einen Schaden, den Sie dann auch noch bezahlen sollen: neuer Zylinder, neues Schloss, manchmal das ganze Schliessblech. So wird aus einer 150-Euro-Nacht eine 500-Euro-Nacht. Bei einer wirklich abgeschlossenen Tuer mit gutem Zylinder kann Bohren noetig sein, aber das ist die Ausnahme, nicht der Normalfall.
Wenn dabei tatsaechlich ein Zylinder faellig wird: ein Standardzylinder kostet im Material 15 bis 40 Euro, ein guter Sicherheitszylinder von ABUS, BKS oder Winkhaus 60 bis 150 Euro. Das ist Material, nicht Zuschlag. Lassen Sie sich das getrennt ausweisen.
Ein kleiner technischer Hinweis aus meinem Alltag, weil ich ja vor allem Schliessanlagen baue. Wenn nachts der Zylinder einer Anlage getauscht werden muss, ist das nicht dasselbe wie ein Wald-und-Wiesen-Profilzylinder vom Baumarkt. Bei einer Schliessanlage haengen mehrere Tueren an einem System, und der neue Zylinder muss zur Anlage passen, sonst sperrt nachher der Generalschluessel nicht mehr. Das laesst sich nachts oft gar nicht sauber loesen. Mein ehrlicher Rat: nachts nur die akute Tuer oeffnen lassen, den eigentlichen Anlagenzylinder am naechsten Werktag zum Tagespreis tauschen. So sparen Sie den Nachtzuschlag genau dort, wo er am meisten weh tut.
Was Sie nachts konkret tun sollten
Kurz und praktisch, fuer den Moment, in dem es passiert:
- Am Telefon nach dem Endpreis fragen, inklusive Anfahrt und Zuschlag. Keine Zahl, kein Auftrag.
- Den Firmennamen notieren. Eine reine 0800-Nummer ohne Namen ist ein Warnzeichen.
- Auf einer Rechnung bestehen, niemals nur Bargeld ohne Beleg.
- Bei einer zugefallenen Tuer auf der schadenfreien Oeffnung bestehen, nicht aufs Bohren.
Und planen Sie vor, wenn es geht. Ein Zweitschluessel bei einem Nachbarn im Nordend oder in Sachsenhausen spart Ihnen den ganzen Nachtzuschlag. Eine gut gewartete Schliessanlage, deren Zylinder nicht hakt, sorgt dafuer, dass Sie sich nachts ueberhaupt nicht aussperren. Das ist der billigste Notdienst, naemlich keiner.
Haeufige Fragen
Ist ein Nachtzuschlag von 100 Prozent zu viel? Nein, in der tiefen Nacht ist das die Obergrenze des Normalen. Bei 200 oder 300 Prozent werde ich hellhoerig.
Muss ich den Zuschlag zahlen, wenn er nur auf der Rechnung steht? Wenn er am Telefon nie genannt wurde, gilt die uebliche Verguetung nach Paragraf 632 BGB. Sie koennen den ueberhoehten Teil bestreiten.
Darf am Feiertag mehr berechnet werden als sonntags? Ja, ein eigener Feiertagssatz ist ueblich und in Ordnung, solange er vorher genannt und nachvollziehbar ist.
Was, wenn ich schon in bar gezahlt habe? Rechnung verlangen, schriftlich widersprechen, gegebenenfalls Anzeige. Gezahltes Geld kann man zurueckfordern, wenn der Preis sittenwidrig war.
Mehr zu den Tricks der schwarzen Schafe steht in unserem Ratgeber zum Erkennen von Abzocke, und die ganze Preislogik inklusive Tagsaetzen in unserem Ratgeber zu den Schluesseldienst-Preisen 2026. Im echten Notfall ist unser Notdienst rund um die Uhr erreichbar, die aktuellen Saetze inklusive aller Zuschlaege stehen transparent auf der Preisseite, und wenn Sie vorbeugen wollen, beraten wir Sie gern zur passenden Schliessanlage. Nachts teurer, ja. Abgezockt, nein.

